Das Buch als eigenständiges Medium wird in medien- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen bisher kaum thematisiert. Dem möchte die Erlanger Buchwissenschaft entgegenwirken. Buchmedienkommunikation wird als Ergebnis der medienspezifischen Herstellungs-, Bereitstellungs- und Empfangsvorgänge im systemischen Zusammenhang betrachtet. Voraussetzung für ein auch theoretisch schlüssiges Forschungskonzept ist die Konzeptualisierung eines Buchbegriffs, die die unterschiedlichen physischen Formen und medialen Formate überwölbt und den medialen Wandel einbezieht. Wir gehen von Ansätzen aus dem Bereich der Medien- und Kommunikationswissenschaft, der Semiotik und des Konstruktivismus aus. So verstanden ist das Buch mehr als ein Informations- und Speichermedium. Es ist vielmehr wesentliches Element zur Konstruktion von Wirklichkeit. Damit hat die Buchwissenschaft die Möglichkeit, das Medium Buch interdisziplinär anschlussfähig zu machen und zum fächerübergreifenden Diskurs über das Buch und seinen Stellenwert im Kontext der Medien anzuregen.

Projekte

Neben der allgemeinen Theoriearbeit wird der Schwerpunkt in folgenden aktuellen Forschungsprojekten umgesetzt:

Die digitale Geschichte des Buches vom Beginn des Buchdrucks bis zur Gegenwart soll modellhaft die modularen Formen der Ordnung wissenschaftlichen Wissens an einem Beispiel mit hoher Signalwirkung erproben. Dem Theoriekonzept entsprechend sind die vier tragenden Säulen Institutionen, Organisationen, Bereitstellungsqualität sowie Funktionen und Leistungen des Buchs eingezogen.

Die Bereitstellungsqualitäten des Buches und ihre Veränderungen in historischer Perspektive (Layout und Rezeption) untersucht das DFG-Projekt Die Melusine des Thüring von Ringoltingen im Längsschnitt über vier Jahrhunderte.

Die Stellung eines Mediums im Mediensystem lässt sich in den gängigen gesellschaftlichen Zuschreibungen ablesen. Zeugnisse ‚uneigentlicher Buchnutzung‘ dokumentiert eine umfangreiche Bilddatenbank.

Das theoretische Konzept wird auch in der Lehre, z. B. In der Vorlesung Grundlagen der Buchwissenschaft umgesetzt.

Mitglieder der Forschergruppe:

  • Dr. Günther Fetzer
  • Prof. Dr. Ursula Rautenberg
  • Dr. Sandra Rühr

Kontakt

Prof. Dr. Ursula Rautenberg

Auswahl der Publikationen

  • Ursula Rautenberg (Hrsg.): Buchwissenschaft in Deutschland. Ein Handbuch. Berlin 2010. 2 Bde.
  • Ursula Rautenberg: Buchwissenschaft als Wissenschaft. Bestandsaufnahme und Erlanger Perspektiven. In: Neues vom Buch. Hrsg. v. Doris Moser u.a. (Angewandte Literaturwissenschaft 11). Innsbruck / Wien / Bozen 2011, S. 41–58.
  • Ursula Rautenberg / Dirk Wetzel: Das Buch (Grundlagen der Medienkommunikation 11). Tübingen 2001.
  • Greifeneder, Elke / Kuhn, Axel /Rühr, Sandra: Aufbau und Entwicklung einer digitalen Buchgeschichte. Studie zu Anforderungen und Zielgruppen. (Alles Buch. Studien der Erlanger Buchwissenschaft XXXIV). Hrsg. von Ursula Rautenberg und Volker Titel. Erlangen 2010.
  • Rühr, Sandra: Tondokumente von der Walze zum Hörbuch. Geschichte, Medienspezifik, Rezeption. Göttingen 2008.